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Tillmann Gruppe bringt bewährte Profiliermaschine mit ctrlX AUTOMATION auf Zukunftskurs
Wenn Automatisierungskomponenten das Ende ihres Lebenszyklus erreichen, steigt das Risiko ungeplanter Stillstände. Gleichzeitig wollen viele Unternehmen bewährte Maschinen weiter nutzen. Die Tillmann Gruppe hat daher gemeinsam mit Bosch Rexroth eine Profiliermaschine umfassend modernisiert. Die übergeordnete Third-Party-Steuerung blieb erhalten, während Bosch Rexroth die Maschinenebene mit ctrlX AUTOMATION in den Bereichen Steuerung, Antrieb und Anlagensicherheit auf ein modernes Fundament stellte. Das Ergebnis: Eine zukunftsfähige Lösung mit geringerem Platzbedarf und reduziertem Energieverbrauch.
In der Umformtechnik für die Bau-, Automobil- und Elektroindustrie sind hohe Präzision, stabile Prozesse und flexible Materialverarbeitung entscheidend. Auch lange Werkstücke müssen mit hoher Wiederholgenauigkeit bearbeitet werden, teils mit Toleranzen im Bereich von einem Zehntelmillimeter. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, gewachsene Anlagen technisch zu modernisieren, ohne funktionierende Produktionskonzepte aufzugeben. Vor genau dieser Aufgabe stand auch die Tillmann Gruppe, ein Netzwerk aus vier Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeitenden, spezialisiert auf Profiliertechnik.
„Die Profiliermaschine war seit vielen Jahren zuverlässig im Einsatz. Gleichzeitig stand fest, dass wir die Automatisierung technologisch modernisieren mussten, damit die Anlage langfristig wirtschaftlich und sicher betrieben werden kann“, sagt Martin Termast, Leiter der Elektroabteilung bei der Tillmann Gruppe „Unser Ziel bestand darin, die Maschine zukunftssicher aufzustellen, das Risiko von Stillständen zu reduzieren und die Basis für weitere Modernisierungsschritte zu schaffen.“
Präzise Synchronisation in der laufenden Profilherstellung
Die Anlage wird zur Herstellung von Profilen eingesetzt. Dabei werden Metallbänder auf einem Coil in einer Rollforming-Linie kontinuierlich umgeformt und im laufenden Prozess abgelängt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die mitlaufende Trennanlage, z. B. fliegende Säge, die das Material in der laufenden Bewegung, präzise auf Länge schneidet. Hinzu kommt der Walzenvorschub, der den Materialfluss exakt führt und mit den übrigen Bewegungen der Maschine synchronisiert werden muss.
Diese Prozessfolge stellt hohe Anforderungen an die Automatisierung. Unterschiedliche Werkstoffe – darunter auch Edelstahl und hochfeste Stähle – müssen zuverlässig verarbeitet werden. Bereits geringe Abweichungen in der Synchronisation oder Schnittführung wirken sich direkt auf Maßhaltigkeit, Qualität und Ausbringung aus. Zugleich sollten die modernisierten Automatisierungskomponenten langfristig verfügbar und kompatibel mit künftigen Anforderungen (z. B. Cyber Resilience Act) bleiben.
Gewachsene Zusammenarbeit als Basis für die Modernisierung
Für das Retrofit entschied sich Tillmann bewusst für Bosch Rexroth. Ausschlaggebend waren die langjährige Zusammenarbeit im Service, das gewachsene Vertrauen in die Betreuung vor Ort sowie die vorhandene Applikationskompetenz von Bosch Rexroth – insbesondere bei Anwendungen mit mitlaufender Bearbeitung wie der fliegenden Säge. Hinzu kam die Erfahrung mit früher eingesetzten Bosch-Rexroth-Lösungen im Kundenumfeld.
Bei der Modernisierung konzentrierte sich Bosch Rexroth gezielt auf die Maschinenebene, während die Third-Party-Steuerung als übergeordnete Instanz zur Ansteuerung der Peripherie bestehen blieb. Das Herzstück der neuen Lösung bilden die Steuerungsplattform ctrlX CORE, die Antriebslösung ctrlX DRIVE und ctrlX SAFETY für die funktionale Sicherheit, ergänzt durch Motoren der Typen MS2N und MAD. Software-seitig stellt das Betriebssystem ctrlX OS eine offene, App-basierte Plattform für Funktionen wie PLC, EtherCAT Master, Motion und PROFINET Device bereit. Die nahtlose Integration in die Third-Party-Umgebung wurde durch die PROFINET-Schnittstelle sichergestellt.
Die CRA-Konformität der in diesem Fall eingesetzten Bosch Rexroth Produkte sowie die perfekte Zusammenarbeit der Motion App mit dem Funktionsbaustein der fliegenden Säge waren ausschlaggebende Faktoren für die Auswahl von Bosch Rexroth als Lieferanten.
„Entscheidend war, dass sich die neue Lösung nahtlos in die bestehende Architektur einfügen ließ und wir gleichzeitig die eigentliche Maschinenautomatisierung technologisch auf einen aktuellen Stand bringen konnten“, sagt Andreas Fertig bei Bosch Rexroth. „Die Kombination aus unserem offenen und modularen Automatisierungssystem ctrlX AUTOMATION sowie der Retrofit-Erfahrung war ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Projekt.“
Erprobte Funktionen und projektspezifische Umsetzung
Der Umsetzung ging eine mehrwöchige Vorbereitungsphase voraus. In einem Pilotprojekt validierte Bosch Rexroth zunächst den Funktionsbaustein für die mitlaufende Trennanlage. Parallel dazu wurde die Funktion für den Walzenvorschub applikationsspezifisch ausgearbeitet und in das Lösungskonzept integriert. Ergänzend erfolgten Softwareanpassungen, Tests und die technische Feinabstimmung auf die vorhandene Mechanik.
Der eigentliche Umbau an der Maschine sowie die anschließende Inbetriebnahme und Erprobung konnten innerhalb von wenigen Tagen durchgeführt werden. Voraussetzung dafür waren ein vorhandener Schaltschrank, ein präzises applikatives Verständnis sowie eine kundenseitig vorab instandgesetzte Mechanik. Auch bestehende Funktionen wie der Synchronbetrieb wurden in das neue Automatisierungskonzept übernommen, wodurch sich die Modernisierung effizient umsetzen und optimal auf den realen Produktionsprozess abstimmen ließ. Weiterhin blieb die Schnittstelle für den Bediener und die Steuerung gleich.
Die Inbetriebnahme verlief reibungslos. Dazu trug auch die enge Begleitung durch die Bosch Rexroth-Techniker bei, die während des Projekts jederzeit ansprechbar waren und bei Bedarf direkt vor Ort unterstützten.
Weniger Platzbedarf, geringerer Energieverbrauch, mehr Zukunftssicherheit
Das Retrofit brachte für Tillmann messbare Verbesserungen: Der Platzbedarf im Schaltschrank verringerte sich um 30 Prozent, während der Energiebedarf unter anderem durch die rückspeisende Versorgung um 25 Prozent sank. Darüber hinaus reduzierte die Modernisierung das Risiko ungeplanter Stillstände, das aus veralteten oder abgekündigten Automatisierungskomponenten entstehen kann.
Damit verbessert das Retrofit nicht nur die technische Basis der Anlage, sondern stärkt auch ihre Zukunftsfähigkeit. Bestehende Maschinen können wirtschaftlich weiter genutzt und zugleich an aktuelle Anforderungen in Automatisierung, Integration und Verfügbarkeit sowie Gesetzeslage angepasst werden.
„Die Zusammenarbeit mit Bosch Rexroth war durchgehend vertrauensvoll und lösungsorientiert. Das Retrofit wurde termingerecht umgesetzt, und wir konnten die Anlage technologisch deutlich weiterentwickeln. Für uns ist das eine wichtige Grundlage, um bewährte Bestandsanlagen zukunftssicher zu modernisieren“, sagt Martin Termast.
Fundament für weitere Retrofit-Projekte
Für die Tillmann Gruppe hat das Projekt daher Signalwirkung über die einzelne Maschine hinaus. Aufgrund der positiven Erfahrungen stehen bereits weitere Anlagen für eine Modernisierung im Fokus. Das Retrofit zeigt, wie sich bestehende Produktionsanlagen mit überschaubarem Eingriff auf einen aktuellen Stand bringen und fit für kommende Anforderungen rüsten lassen.
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